Warum Banken kleine Dienstleister systematisch unterschätzen
Ratingmodelle belohnen Substanz und Sicherheiten. Sie erfassen nicht, was einen Servicebetrieb tatsächlich stabil macht.
Von Markus Feldhoff, Redakteur, Ressort Finanzen
· 4 Min. Lesezeit

In den gängigen Ratingverfahren zählt, was in der Bilanz steht. Ein Dienstleister mit 30 Beschäftigten, langfristigen Verträgen und niedriger Fluktuation hat davon wenig: keine Maschinen, keine Immobilien, kaum Anlagevermögen. Also fällt die Note schlechter aus als bei einem Fertigungsbetrieb mit voller Halle und leerem Auftragsbuch.
Aus zehn Jahren in der Firmenkundenbetreuung weiß ich, wie belastbar ein Auftragsbestand sein kann. Wiederkehrende Serviceverträge sind ökonomisch näher an einer Mieteinnahme als an einem Projektgeschäft. In den Modellen kommt diese Kategorie schlicht nicht vor.
Betriebe können das teilweise ausgleichen, indem sie Verträge, Kündigungsfristen und Kundenbindung schriftlich aufbereiten und ihrem Berater aktiv vorlegen. Das ist Mehrarbeit, die eigentlich die Bank leisten müsste, senkt aber messbar die Zinslast.
Die Institute wiederum verlieren durch ihre Raster ein ganzes Marktsegment an Anbieter, die genauer hinsehen. Wer Dienstleistungsmodelle nicht bewerten kann, finanziert am Ende die Vergangenheit und nicht die Betriebe, die tatsächlich wachsen.
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Über den Autor

Markus Feldhoff
Redakteur, Ressort Finanzen
Schreibt über Kreditvergabe, Zahlungsmoral und Steuerpolitik aus Sicht kleiner Betriebe.
Schwerpunkte: Kreditvergabe, Liquidität, Steuerrecht, Bankenaufsicht · In der Redaktion seit 2020

